Seiten für die Kleinen

 

Junge Augen sehen anders... sie sehen mehr. Vielleicht sehen Sie aber auch nur das, was wichtig ist. Diese Silben wollen den jüngsten Augen gefallen. Sie tanzen auf ihrem Faden und haben keine Angst sich zu verknoten. Tanzt du mit? 

Hier findest du die Silben, die machen was sie wollen. Meistens spinne ich sie einfach, wie es ihnen gefällt. Sie sind bunt, sie sind wild und sie sind frei. 

Wie Eule und Fuchs zu Knecht Ruprecht kamen

In einer kalten Winternacht,
haben sich zwei Gestalten aufgemacht.

Die erste gleitet dahin auf sanften Schwingen,
und lässt keinen Laut erklingen.

Die zweite läuft auf leisen Pfoten,
denn Vorsicht ist geboten.

In dieser kalten Winternacht,
hat sich auch ein Jäger aufgemacht.

Die Gestalten, das sind Eule und Fuchs,
die suchen vor dem Jäger Schutz.

Doch finden sie weder Stein noch Baum,
verstecken können sie sich kaum.

Der Fuchs mit seinem roten Fell,
erscheint im Mondlicht besonders grell.

Ängstlich spitzt er seine Ohren,
sie haben ihren Pfad verloren.

Hört er da etwa schon den schweren Schritt,
mit dem der Jäger über eine Schneewehe tritt?

Stattdessen ertönt Eules warnender Schrei,
die Suche des Jägers ist bald vorbei.

Fuchs rennt schnell und immer schneller.
Wird es dort hinten plötzlich heller?

Fuchs reckt die Nase hoch in die Luft,
und riecht rauchigen Ofenduft.

Fürs Zögern bleibt ihnen keine Zeit,
des Jägers Schritte sind nicht mehr weit.

Auf einem Hügel in der Mitte,
steht eine kleine Hütte.

Und daneben erhebt sich stolz,
ein großer Stapel Ofenholz.

Schnell verkriecht sich Fuchs darunter und zittert.
Er hat den Jäger schon ganz nah gewittert.

Auf einmal durchfährt den Fuchs ein Schreck:
Der Jäger steht nicht weit von seinem Versteck!

„Wo bist du kleiner Fuchs?“, fragt der Jäger leise.
„Ich werde dich schon finden. Auf die eine oder andere Weise.“

Der Fuchs schließt ängstlich seine Augen.
Da hört er eine zweite Stimme und kann es kaum glauben.

„Jägersmann, was machst du hier vor meinem Haus?
Sieht so dein besinnlicher Abend aus?“

Der Jäger sagt: „Der Fuchs hat meine Gans gestohlen, werter Knecht.
Nun hole ich ihn mir, so will es das Recht.“

Da antwortet der Knecht: „Hast du es vergessen: Heut ist Nikolaustag,
an dem niemand einem anderen schaden mag.

Lass den Fuchs heute Nacht in Ruh‘
Und drück nochmal ein Auge zu.

Ich will dir dafür etwas von meinem Holz hier schenken.
Vor einem warmen Feuer kann niemand etwas Böses denken.“

Der Jäger überlegt und sagt: „Nun gut.
Schaut nur, dass der Fuchs heut‘ Nacht keiner Gans mehr etwas tut.“

Der Fuchs kann sein Glück kaum fassen.
Der Jäger zieht davon und wird ihn in Frieden lassen.

Da spricht der Knecht zum Fuchs: „Nun zu dir:
Nimm deinen Freund, die Eule, und komm mit hinein zu mir.

Hier draußen ist es euch sicher nicht geheuer.
Mein Sohn Ruprecht und ich haben noch Platz vorm Feuer.

Feiert mit uns den Nikolaustag
Jeder von euch kann so lange bleiben, wie er es gerne mag.“

Ja, so ist es gewesen, erinnert Ruprecht sich.
Auch heute noch, teilt er mit Fuchs und Eule seine Wärme und sein Licht.



Madeline Schwalb

 

Drache Lilly und der grummselige Tipps 

 

Es war einmal ein Drache namens Lilly. Die konnte ganz toll fliegen. Höher und schneller, als jeder Vogel, den sie kannte. Sogar Loopings konnte sie machen. 

Doch Lilly war sehr einsam, denn sie hatte keine Freunde. Die Vögel wollten nicht mit ihr spielen und andere Drachen kannte sie nicht. 

Also beschloss Lilly sich auf eine Reise zu machen. Irgendwo musste es doch andere Drachen geben. Und so schüttelte Lilly ihre Flügel aus, breitete sie aus, spannte ihre Muskeln und sprang mit einem gewaltigen Satz in die Luft. 

Und so flog Lilly los. Weiter und weiter und weiter, bis sie an die Berge kam. 

Oh-oh! Die waren aber ganz schön hoch! Doch Lilly wollte nicht aufgeben! Also flog sie höher und immer höher. So hoch, wie sie noch nie geflogen war. Ein letzter Flügelschlag und... sie hatte es geschafft. Hinter den Bergen gab es einen großen Wald. So viele Bäume auf einmal hatte Lilly noch nie gesehen! 

Hier musste es doch bestimmt Drachen geben! "Hallooo! Drachen, wo seid ihr?", rief Lilly, doch niemand antwortete. Also flog sie weiter. Immer wieder rief sie: "Hallooo! Drachen, wo seid ihr?" 

Und irgendwann bekam sie eine Antwort: "Wer ist da?" 

Das musste ein Drache sein. Aufgeregt machte Lilly einen Sturzflug und landete zwischen den Bäumen. "Hallo? Wo bist du denn?", rief sie. 

Lilly hörte ein Knacken und ein Brummen. Ein großes Wesen trat zwischen den Bäumen hervor. Es hatte zwar spitze Zähne, so wie Lilly, aber es hatte keine Schuppen und keine Flügel. "Hallo", sagte Lilly. "Bist du ein Drache?" 

"Ich? Ein Drache?", fragte das Wesen mit tiefer Stimme. "Nein! Ich bin doch kein Drache. Ich bin ein Bär." 

"Oh.", machte Lilly enttäuscht. "Weißt du denn wo ich einen Drachen finden kann?" 

"Mmmmh" Der Bär überlegte. "Ich habe gehört, dass ein Drache am Meer leben soll." 

"Danke!", rief Lilly. Sie freute sich, weil sie jetzt wusste, wo sie hinfliegen musste. Und so schüttelte Lilly ihre Flügel aus, breitete sie aus, spannte ihre Muskeln und sprang mit einem gewaltigen Satz in die Luft. 

Wieder rief Lilly: "Hallooo! Drachen, wo seid ihr?" Und wieder bekam sie keine Antwort. 

Doch sie gab nicht auf. "Hallooo! Drachen, wo seid ihr?" 

Und irgendwann bekam sie eine Antwort: "Wer isssst da?" 

Das musste ein Drache sein. Aufgeregt machte Lilly einen Sturzflug und landete zwischen den Bäumen. "Hallo? Wo bist du denn?", rief sie. 

Lilly hörte ein Rascheln und ein Zischeln. Ein dünnes Wesen kam aus einem Baum hervor. Es hatte zwar Schuppen, so wie Lilly, aber es hatte keine Beine und keine Flügel. "Hallo", sagte Lilly. "Bist du ein Drache?" 

"Ich? Ein Drache?", fragte das Wesen mit zischelnder Stimme. "Nein! Ich bin doch kein Drache. Ich bin eine Ssssschlange." 

"Oh.", machte Lilly enttäuscht. "Weißt du denn wo ich den Drachen am Meer finden kann?" 

"Mmmmh" Die Schlange überlegte. "Ich habe gehört, dassssss ein Drache dort in einer Höhle wohnen sssssoll." 

"Danke", rief Lilly. Sie freute sich, weil sie jetzt musste, wo sie am Meer suchen musste. Und so schüttelte Lilly ihre Flügel aus, breitete sie aus, spannte ihre Muskeln und sprang mit einem gewaltigen Satz in die Luft. 

Und Lilly flog weiter und weiter und weiter. Endlich landete sie im weichen Sand. Staunend sah sie das Meer. So viel Wasser! Irgendwo hier musste der andere Drache doch sein! 

Lilly ging den Strand entlang. Auf einmal tauchte neben Lillys Fußspur noch eine zweite auf. Lilly sah sich die Fußabdrücke an. Sie sahen genauso aus, wie ihre, nur kleiner. 

Ob die einem anderen Drachen gehörten? Neugierig folgte Lilly den Fußspuren, bis sie an eine Höhle kam. 

Das musste die Höhle sein, von der ihr die Schlange erzählt hatte. "Hallooo?", rief Lilly in die dunkle Höhle hinein. 

"Hallooo!", antwortete ihr das Echo. Lilly schluckte. Ein bisschen unheimlich war die Höhle schon. Doch sie wollte jetzt nicht aufgeben. Also ging sie in die Höhle hinein. Sie lief und lief und lief. Irgendwann erreichte sie eine Grotte. In der Mitte brannte ein Feuer. Das musste doch jemand angezündet haben! Vielleicht ein Drache? 

"Hallooo! Ist hier jemand?", rief sie. 

"Nein!", rief da eine grummselige Stimme. "Hier ist niemand, geh weg!" 

Huch! Da war ja doch wer! Lilly suchte, woher die Stimme gekommen war. Da! In einer Felsspalte! Da saß ein Wesen. Es hatte spitze Zähne, Schuppen, vier Beine und Flügel, genauso wie Lilly. Das Wesen war nur viel kleiner als Lilly. "Hallo", sagte Lilly. "Bist du ein Drache?" 

"Natürlich bin ich ein Drache! Was soll ich denn sonst sein?!", fragte der Drache grimmig. 

Lilly freute sich. Endlich! Sie hatte einen anderen Drachen gefunden! 

"Ich bin Lilly und wie heißt du?", fragte sie den kleinen Drachen. 

"Ich heiße Tipps.", antwortete der Drache. "Geh weg! Ich will allein sein!" 

"Ich dachte vielleicht können wir etwas zusammen spielen.", sagte Lilly. "Ich bin ganz allein und du hast hier auch niemanden." 

"Ich will aber nicht!", Tipps schüttelte den Kopf. 

Doch Lilly wollte nicht aufgeben. "Ach komm schon. Nur ein bisschen! Danach kann ich ja wieder gehen." 

"Mmmmh", Tipps überlegte. "Na gut, aber nur ein Spiel!" 

Und so spielten sie und aus einem Spiel, wurden zwei Spiele und aus zwei wurden drei und aus drei Spielen wurden vier. Und irgendwann, während sie so spielten wurden Lilly und Tipps Freunde. 


Die Silbenspinnerin

Als der Nikolaus bemerkte, dass er sich zu sehr beeilt


 In einer kalten Winternacht,
 hat sich der Nikolaus wieder aufgemacht.
 
 Wie immer ist er sehr in Eile,
 denn bis alle Stiefel voll sind, dauert es eine ganze Weile.
 
 Gestresst hetzt er von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt,
 bis er in seinem Sack nichts mehr Süßes übrig hat.
 
 Endlich kommt er zuhause an,
 froh, dass er nun ruhen kann.
 
 Er fasst sich müde an den Kopf. Oh Schreck!
 Ist etwa seine Mütze weg?
 
 Irgendwo hat er sie wohl verloren.
 Da hilft nichts. Er muss sie sich wiederholen.
 
 So macht er sich in seinem Schlitten wieder auf.
 Er treibt sein Pony zu schnellem Lauf.
 
 Er fährt zurück in die letzte Stadt.
 Er sucht lange, doch schließlich findet er, was er verloren hat.
 
 Da liegt sie vor dem Haus vom Knecht.
 Zufrieden zupft er die Mütze auf seinem Kopf zurecht.
 
 Da stutzt der Nikolaus und überlegt.
 Wie kommt es, dass vor der Tür hier gar kein Stiefel steht.
 
 Er sieht hin und her und her und hin. Nanu?
 Steht da vor der Tür etwa nur ein Hausschuh?
 
 Und es kommt noch so viel schlimmer,
 im Schuh findet sich von Süßem kein einziger Schimmer.
 
 Wie kann so etwas gehen?
 Hat er in seiner Eile den Hausschuh übersehen?
 
 Er zieht die Stirn kraus voller Sorgen.
 Er denkt an den kleinen Ruprecht an diesem Morgen.
 
 Er wird doch sicher traurig sein,
 wenn er ohne Süßes bleibt allein.
 
 Doch seinen Sack hat Nikolaus nicht mehr dabei.
 Vielleicht findet er aber doch noch irgendwo eine Süßigkeit - oder zwei.
 
 Er sucht im Schlitten und er sucht in seinen Taschen,
 Schließlich findet er ganz hinten in der Ecke noch etwas zum Naschen.
 
 Mit einem einzigen Bonbon, in pinkes Papier gehüllt,
 wird nun Ruprechts Schuh gefüllt.
 
 Nikolaus hätte gerne mehr gegeben,
 und kratzt sich am Kopf. Er ist ganz verlegen.
 
 Wäre er doch statt gehetzt etwas mehr besonnen,
 mit seinem Sack hierhergekommen.
 
 Dann hätte er Ruprechts Hausschuh nicht vergessen.
 Er ist von Eile ganz und gar besessen.
 
 Er hatte doch nicht zu wenig Zeit,
 auch jetzt ist der Morgen noch weit.
 
 Langsam fährt er im Schlitten nach Haus
 Und denkt: ich lasse mir mehr Zeit am nächsten Nikolaus.
 
 Nie mehr passiert mir ein solches Vergehen.
 Kein Kind soll mehr ohne Geschenke ausgehen.


Madeline Schwalb